Kira versteht nur Bahnhof
Immer diese Missverständnisse

Lehr mich doch einer mal die Menschen zu verstehen…

Da sagen sie laut und deutlich „Platz“ zu mir. Und ich, von panischem Schrecken gepackt, frage mich natürlich: Warum soll ich jetzt (zer-)platzen, was habe ich getan??? Ich bin total konfus, bis Ronny mir erklärt, dass ich mich einfach nur hinlegen soll. Das sei mit „Platz“ gemeint. Also quasi eine höfliche Aufforderung, doch bitte Platz zu nehmen.

Dann der nächste Irrtum. Der Boss hantiert mit so einem seltsamen Ding, das Blitze schleudern kann. Ich beobachte die Sache ziemlich skeptisch. Bis er meint: Kira, guck nicht so griesgrämig, zeig doch mal deine Zähne. Aha, er will also, dass ich ihn gegen dieses Ungeheuer in seiner Hand verteidige. Aber gern, Boss, für dich tue ich doch alles. Und schon fletsche ich meine Zähne, um ihm gegen diesen seltsamen Apparat beizustehen. Doch schon wieder eines dieser Missverständnisse…

Immer diese Missverständnisse

Nur gut, dass ich Ronny an meiner Seite habe, der mich immer in seiner ruhigen und besonnenen Art aufklärt .

Denn die Lektüre des Hundewörterbuches hat mich bisher nicht wirklich weitergebracht. Vielleicht sollte ich mal einen eigenen Ratgeber verfassen: Zwei- und Vierbeiner – so lassen sich Missverständnisse vermeiden. Dann gibt es bald keinen Hund mehr, der nur Bahnhof versteht .

 

 

  • Zwei gescheiterte Existenzen treffen sich. Mann mit Hund.

    Eine bekannte Redewendung lautet: Viele Wege führen nach Rom. Als Abwandlung könnte man auch sagen: …oder zum Hund. Für ein Kind ist es fast immer der Wunsch, unbedingt einen Hund zu wollen, der es ans Ziel führt. So die Eltern (und die Gegebenheiten) denn mitspielen. Bei Erwachsenen hingegen sieht es oft anders aus. Zufall, Schicksal, Fügung – wer kann das schon so genau sagen?   Zwei gescheiterte Existenzen treffen sich … … im Treppenhaus des zweiten Stocks eines Hauses in der Schnellstraße in Hamburg-Altona. Du warst knapp zwölf Wochen alt, aber konntest schon sehr laut wimmern und jammern. Niemand in diesem Haus wollte dich aufnehmen. In jeder Wohnung eine Katze … Und ich? Wollte eigentlich keinen Hund mehr. Zwei Stunden später kam ich vom fünften Stock die Treppe hinunter und du kamst mir im dritten Stock freundlich wedelnd und winselnd entgegen. Ich hockte mich zu dir hin, streichelte dich, sprach leise mit dir und spürte deine Zunge in meinem Gesicht. Deine braunen Augen, so leuchtend und lebendig, aber auch so traurig. Ich konnte dir nicht widerstehen. Mit einem gespendeten roten Bindfaden als Hundeleine zogen wir beide los zum S-Bahnhof Holstenstraße. Zwei gescheiterte Existenzen. Deine Menschen hatten dich offenbar zu Beginn der Frühjahrsferien im März 1977 rausgeschmissen, wohl, weil du nicht mit den kleinen Kindern zurechtkamst oder sie nicht mit dir. Und ich? War gerade drei Wochen vorher, am 10. Februar 1977, aus dem Schuldienst geflogen und hatte jetzt viel Zeit. Auf dem Weg in eine gemeinsame Zukunft? Beim Umsteigen im Hauptbahnhof Anruf bei Angelika, um deine Ankunft anzukündigen. „Hast du was dagegen?“ „Nein, bring ihn mit, den kleinen Hund.“ Einen Tag lang solltest du nur bleiben, dann ab ins Tierheim in die Süderstraße. So redete ich es mir ein. Doch es kam anders. Weissenhof lla in Hamburg-Farmsen – das sollte deine zweite Heimat werden, kleiner Blacky. Als wir ankamen, hattest du riesigen Durst und Hunger. Zwei große Schüsseln Wasser wurden von dir ausgeschlabbert. Und dann verdrücktest du ein Leberwurstbrot nach dem anderen! Anschließend hautest du dich in eine Ecke, rolltest dich zusammen und schliefst bis zum Morgen durch. Vom Tierheim Süderstraße redete niemand mehr, eine neue Leine wurde gekauft – und Spielzeug. Zunächst noch zögernd und etwas unsicher konnte auch Angelika deinem Charme nicht widerstehen. © Volker Diel erschienen im Mariposa-Verlag (Bücher für tierliebe Menschen)  

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Dick - Cartoon von Olaf Neumann
Zwei Hunde stemmen sich gehen das Rausgehen bei Regen
Hunde liegen bei ihren Menschen im Bett
Cartoon Schoßhund