Nicht nur Kinder können bei einer Scheidung leiden
Sie gehören zum Hausrat: Scheidungstiere

Die Bezeichnung Scheidungskinder ist jedem ein Begriff. Natürlich, das sind Kinder, deren Eltern sich haben scheiden lassen. Doch was ist eigentlich mit den Haustieren? Den Ausdruck Scheidungstiere hat man noch nie gehört. Und doch gibt es sie.

Dass man den Begriff nicht kennt liegt zum einen daran, dass die Tiere nicht so sehr im Fokus stehen wie Kinder. Sie haben nicht den gleichen Stellenwert wie diese. Zum anderen liegt es aber auch daran, dass sich die Parteien bei einer Trennung meistens sehr schnell einigen, wer das Tier behalten soll. Vor allem dann, wenn ein Partner das Tier mit in die Ehe gebracht hat. 

Hin und wieder jedoch entbrennt ein erbitterter Streit um das Haustier. Und dann muss das zuständige Gericht bemüht werden.

Nach welchen Kriterien trifft das Gericht seine Entscheidung?

Tiere zählen – so befremdlich das auch sein mag – zu den Haushaltsgegenständen; trotz aller emotionalen Bindungen ihrer Menschen zu ihnen. Hat sich ein Paar also während seiner Ehe zum Beispiel einen Hund zugelegt, gehört dieser gemäß § 1361a Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) zum Hausrat und wird bei einer Scheidung in die Hausratsteilung mit einbezogen. Mit rechtskräftiger Scheidung gehen die jeweiligen Gegenstände – und somit in diesem Fall auch der Hund – in den alleinigen Besitz des entsprechenden Partners über. Kann eine Partei jedoch nachweisen, dass sich der Hund in ihrem alleinigen Besitz befunden hat, bleibt er von der Hausratsteilung ausgeschlossen. Dieser Nachweis ist natürlich einfach, wenn einer der Partner bereits vor der Beziehung das Tier besessen und es also mit in die Partnerschaft gebracht hat.
Wurde das Tier während der Ehe im gemeinsamen Einverständnis der Ehepartner angeschafft, der entsprechende Vertrag jedoch nur von einem Partner unterschrieben, ist davon auszugehen, dass diesem das Tier nach der Scheidung zugesprochen wird.

Gute Chancen bei alleiniger Pflege des Haustieres

Hat überwiegend nur einer der Partner das Haustier betreut und gepflegt, weil der andere zum Beispiel berufsbedingt nicht dazu in der Lage war, hat diese Person gute Chancen, das Tier zugesprochen zu bekommen.
Anders als bei Kindern ist es in diesen Fällen allerdings nicht unbedingt so, dass das Wohl des Tieres in den Vordergrund gestellt wird. Es wird also nicht automatisch demjenigen zugesprochen, bei dem es voraussichtlich besser aufgehoben ist.

Mehrere Hunde, Umgangsrecht und Unterhalt

Der Trend geht schon seit einiger Zeit zum Zweithund. Was also, wenn man zwei oder mehrere Hunde besitzt? Dann kann das Gericht die Trennung der Tiere veranlassen, sofern sie Teil des Hausrats sind. So soll die Aufteilungsgerechtigkeit gewährleistet sein.

Das OLG Schleswig hat am 20.02.2013 (Aktenzeichen 15 UF 143/12) in einem Fall entschieden, dass die Trennung von zwei Hunden für diese zumutbar sei. Es sei nicht davon auszugehen, dass die Tiere so stark an einander hängen würden wie Kinder es vielleicht täten.

Umgangsrecht und Unterhalt gibt es für einen Hund nach Trennung der Eheleute nicht. Da ein Haustier als Hausratsgegenstand gilt, finden die entsprechenden Paragraphen hier keine Anwendung.

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