Was genau sind eigentlich Schlittenhunde?

Was versteht man unter dieser Bezeichnung?

Das äußere Erscheinungsbild kennen vermutlich die meisten Hundefreunde, vor allem, wenn sie Kinder haben. Und dann wiederum spätestens seit Walt Disneys Film „Snowdogs“. Aber dennoch – oder besser gerade deshalb – sollen hier noch einige allgemeine Informationen gegeben werden.

Im Grunde ist jeder mittelgroße gesunde Hund ein Schlittenhund, denn es ist ihm möglich, einen Schlitten zu ziehen. So nahm auch schon ein Gespann von Großpudeln am IditarodRennen in Alaska, dem härtesten Schlittenhunderennen der Welt, teil. Allerdings musste der Musher nach zwei Tagen aufgeben, da das Fell seiner Hunde nicht für die klimatischen Verhältnisse dort geeignet war.

Daran sieht man, das es schon besonderer Voraussetzungen bedarf, um ein “richtiger” Schlittenhund zu sein. Dazu gehört u.a. ein für arktische Bedingungen geschaffenes Fell sowie Stärke, Ausdauer und Robustheit.

Zu den ursprünglichen Schlittenhunden zählen vier Rassen: Siberian Huskies, Alaskan Malamutes, Samojeden und Grönlandhunde.

 

Siberian Husky
Siberian Husky
Alaskan Malamute
Alaskan Malamute

 

 

 

 

Grönlandhund
Grönlandhund
Samojede
Samojede

Eine genaue Beschreibung der einzelnen Rassen finden Sie hier.

Daneben gibt es aber auch noch nordische Jagd- und Hütehunde, die teilweise auch als Schlittenhunde eingesetzt werden. Ein Beispiel hierfür ist der Jämthund.

Die Heimat der Nordischen Hunde ist die arktische Zone, das Gebiet, das sich vom nördlichen Europa bis zur Beringsee, von Alaska bis Grönland erstreckt.

Landschaft, Klima und Lebensweise der einheimischen Völker haben diese Hunderassen ebenso geprägt wie die Arbeit, die sie in ihrer Heimat verrichten. Neben dem dichten Fell wird ihr äußeres gemeinsames Erscheinungsbild durch die Stehohren und die über dem Rücken getragene Rute geprägt.

Bei der Eroberung von Nord- und Südpol spielten sie eine große Rolle. In der Arktis finden sie auch heute noch Verwendung, aus der Antarktis sind sie inzwischen ganz verschwunden. Dort sind seit dem Antarktisvertrag keine Schlittenhunde mehr erlaubt, da zahlreiche Robben für ihre Ernährung geschlachtet werden mussten. Was bei Roald Amundsens Expedition noch als Vorteil galt (einfache Ernährung der Tiere durch Robbenfleisch), ist heute verpönt. Zumal es sich bei den Schlittenhunden um eine in der Arktis nicht endemische, also dort beheimatete, Art handelt. Eine wirkliche Funktion hatten die Hunde nach Einführung der Schneemobile ohnehin nicht mehr.

Doch trotz der neuen Fahrzeuge wurden in den britischen Antarktisstationen aus Gründen der Tradition noch Schlittenhunde gehalten. Kurz bevor diese gemäß Anarktisvertrag zum 1. April 1994 nach Maine bzw. an die Hudson Bay transportiert werden mussten, kamen sie in Erinnerung an ihre eigentliche Funktion noch einmal bei einer Expedition zum Einsatz.

Der Bericht dieser Fahrt endete mit einem Zitat von Helmer Hanssen, der in Amundsens Südpolteam die Verantwortung für das Wohlergehen der Tiere trug:

„Solche Hunde, die schwere Zeiten und mühsame Arbeit des Menschen teilen, können nicht einfach nur als Tiere angesehen werden. Sie sind Helfer und Freunde. Man kann kein Haustier aus einem Schlittenhund machen; diese Tiere sind viel mehr wert.“

Den klimatischen Bedingungen in Mitteleuropa haben sich die Nordischen Rassen inzwischen problemlos angepasst, da sie ja seit vielen Jahren und Generationen in unseren Breiten gezüchtet werden. Und auch in ihrer ursprünglichen Heimat betragen die Temperaturen im Sommer tlw. 30 Grad Celsius und mehr.  Dennoch sollte man in der warmen Jahreszeit von ihnen keine körperlichen Leistungen verlangen und ausgedehnte Spaziergänge in die kühlen Morgen- und Abendstunden verlegen.

Es ist grundsätzlich nur sehr eingeschränkt – wenn überhaupt – möglich, einen Nordischen Hund auf dem Feld oder im Wald frei laufen zu lassen. Dazu ist einfach der Jagdtrieb zu ausgeprägt.

Nordische Hunde sind selbstständige Tiere und zeigen eine ungewöhnliche Unabhängigkeit vom Menschen. So genannter „Kadavergehorsam“ ist ihnen fremd. Gleichzeitig aber sind sie allen Menschen gegenüber freundlich und empfehlen sich dadurch nicht gerade für einen Job als Schutz- oder Wachhund.

Ist einem das jedoch klar und geht man auf ihre Bedürfnisse ein, hat man an ihnen einen Freund für’s ganze Leben.

 Huskykopf