Auf den Hund gekommen

 

„Man kann auch ohne Hund leben, aber es lohnt sich nicht“. So sagte einmal Heinz Rühmann. Und diese Aussage kann ich nur voll unterstreichen.

In meinem Elternhaus gehörte immer mindestens ein Hund zur Familie. Aber als ich mit Anfang Zwanzig dann auszog, begann für mich die „hundelose“ Zeit. Und die sollte fast 20 Jahre dauern. Ursache dafür war, dass sowohl mein Mann als auch ich einen Fulltimejob hatten. Da passte ein Hund zeitlich einfach nicht rein.

Aber dann kam uns der Zufall zu Hilfe. Na ja, wenigstens indirekt. Zufällig geriet ich nämlich mit einer Frau in ein längeres Gespräch, in dem sie mir u.a. erzählte, dass sie nebenher auch als Hundesitterin arbeitete. Und ich erfuhr auch, dass sie ganz in unserer Nähe wohnte. Natürlich begannen da sofort meine kleinen grauen Zellen zu arbeiten…

Und das Produkt dieser Arbeit: Ich war begeistert. Von der Möglichkeit, auf diesem Wege vielleicht doch noch vor dem Rentenalter zu einem vierbeinigen Hausgenossen zu kommen. Mein Mann war ebenfalls von der Idee sehr angetan: Genau das wäre es…. Gewesen – leider, denn die Frau bekam gesundheitliche Probleme und konnte daher ihren Job als Dogsitterin nicht weiter ausüben.

Aber ab jetzt ließ uns der Gedanke an einen eigenen Hund nicht mehr los. Wir überlegten hin und her, und schließlich hatten wir eine Möglichkeit gefunden. Dass wir darauf nicht schon früher gekommen waren… Ich arbeitete knappe 5 Autominuten von unserer Wohnung entfernt. Mein Mann musste zwar 40 km bis zu seinem Büro fahren und machte das meistens mit der Bahn, da das während des Berufsverkehrs stressfreier war als mit dem Auto. Aber er war inzwischen selbständig; es konnte ihm also niemand vorschreiben, wen er ins Büro mitbringen durfte. Sehr vorteilhaft…

Unser Plan sah deshalb so aus: Morgens vor der Arbeit eine große Runde mit dem Hund, mittags während meiner Pause eine kleine, nachmittags eine ganz große Runde und abends eine kleinere Abschlussrunde. Und je nachdem wie die Situation es erforderte, konnte mein Mann den Hund auch mit ins Büro nehmen.

Jetzt brauchten wir nur noch den passenden Vierbeiner. Der sollte auf jeden Fall aus dem Tierschutz stammen und nicht zu jung sein.

Ronny Abendstimmung im Wald

Nach längerer Suche in allen möglichen Tierheimen gelangten wir schließlich im Internet auf die Seite der Nothilfe Polarhunde. Und fanden hier unseren Ronny.

 

Nach intensivem telefonischem und schriftlichem Informationsaustausch und erfolgter Vorkontrolle brachten zwei Mitarbeiter des Vereins Ronny am 16.12.2000 zu uns in sein neues Zuhause.

Jetzt sahen wir ihn endlich zum ersten Mal live – und sofort sprang der Funke zwischen ihm und uns über. Es war einfach Liebe auf den ersten Blick.

Ein kleines Problem gab es allerdings. Mein Mann war zwar auf den Namen Ronald getauft worden, hieß aber bei allen Freunden und Bekannten nur Ronny. Den Hund umzubenennen hätte nichts gebracht, wenn er dann doch immer wieder seinen Namen gehört hätte. Also musste mein Mann sich in sein Schicksal fügen und ab sofort nur noch auf seinen Taufnamen hören.
Bzw. auf die Namen, die ich im Laufe der Jahre für ihn gefunden hatte und die je nach Stimmungslage variieren konnten.

Aber selbstverständlich werden selbige hier nicht verraten.

Natürlich gab es dennoch einige lustige Episoden:

Wenn ich z. B. meinem Mann etwas erzählen wollte, ganz in Gedanken doch mal “Ronny” rief und der vierbeinige Namensträger plötzlich in der Tür stand.

Oder wenn der Vierbeiner total auf stur schaltete, ich langsam ungehalten wurde und energisch “Ronald” rief. Was mein Mann mit der Bemerkung quittierte, er hätte doch ausnahmsweise mal gar nichts angestellt.

Tja – das war das kleine Problem mit dem Namen.

Aber es gab auch ein großes Problem. Und zwar konnte Ronny nicht allein bleiben. Wir probierten alles nur Denkbare aus – ohne Erfolg.

 

So kamen wir nach nur drei Monaten zu einem Zweithund, zu unserer Jaska.

Auch sie hatten wir bei der Nothilfe Polarhunde gefunden. Mit ihr zusammen hatte Ronny keinerlei Probleme mehr damit, dass wir jeden Wochentag das Haus verlassen mussten. Und jetzt funktionierte unser zuvor aufgestellter Plan perfekt. Zwar dauerte es bei Jaska eine ganze Weile, bis wir wirklich an sie herankamen. Es ist schlecht zu beschreiben, aber wir hatten das Gefühl, sie hätte eine unsichtbare Mauer um sich errichtet. Und es brauchte fast ein Jahr, bis sie wirklich bei uns angekommen und unsere „Jassi“ war. Aber um so schöner dann zu erleben, dass sie sich in unserem Viererrudel endgültig heimisch fühlte.

Unter dem Menüpunkt “Unser altes Rudel” erzählen nun zunächst Ronny und Jaska einzelne Episoden aus ihrem neuen Leben.

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