Do you speak „Kätzisch“?

Jedes clevere Wauwauchen
blickt respektvoll auf zu Frauchen,
denn nach hündischer Manier
ist sie ja das Alpha-Tier,
dem man beinhart folgen muss,
sonst bedeutet dies Verdruss.
Haushund Merlin weiß Bescheid
und er trieft vor Folgsamkeit,
selbst wenn Frauchens Interessen
ihm total die Nerven stressen –
so wie dieser letzte Coup.
Bringt die Gute doch partout
einen Katzenkorb getragen
(ohne ihren Hund zu fragen!)
und stellt diesen Korb ins Zimmer.
Maunzen hört er und Gewimmer
und schon blickt er zwei obskuren,
übellaunigen Figuren
in die pelzige Visage.
 
Beide Katzen sind in Rage.
„Erst der Korb und jetzt ein Hund??!
Das ist uns denn doch zu bunt!!!“
Grässlich tönt ihr Wut-Miau.
Und dann geht es mit Radau
und mit Flaschenbürstenschwanz
unters Sofa – auf Distanz.
Scheel ist ihrer Augen Blick.
Merlin prallt entsetzt zurück.
Katzen sind ihm echt ein Graus.
„Frauchen, schmeiß die Bande raus!“,
weint er. „Ich hab absolut
mit den Biestern nichts am Hut.
Dieses windige Gelichter,
diese frechen Plüschgesichter
samt dem ewigen Miau
mag ich nicht. Und deshalb ciao!“
Doch die Frau erwidert bloß:
„Spiel jetzt nicht den Trauerkloß
und erspar mir dein Trara,
denn die Katzen bleiben da!
Und nun Schluss mit dem Geschwätz!“
Frauchens Wille ist Gesetz.
Schlapp lässt Merlin ob der strengen
Regel seine Ohren hängen,
während sich die beiden „Drachen“
hämisch in das „Fäustchen“ lachen.
 
Merlins heile Welt steht kopf:
Jetzt soll er, der arme Tropf,
sich mit diesen Katzentieren
Frauchens wegen arrangieren!!
Doch wie fängt er das bloß an?
Warten drauf, bis irgendwann
diese zwei den Hintern lüpfen,
um den Erstkontakt zu knüpfen?
Oder sich am Riemen reißen
und das Paar willkommen heißen?
Möglich wär’s, nur weiß er nicht,
wie ein Hund mit Katzen spricht.
Muss er mit „Miau!“ sich plagen?
Würden Gesten Brücken schlagen?
Soll er mit den Augen rollen?
Leise hört man Merlin grollen:
„Wegen diesem Katzenwahn
steh ich da als Blödian
und hab jetzt die Rote Karte!“
Mürrisch schwenkt er die Standarte
und trabt los nach kurzem Zaudern,
um die Katzen anzuplaudern.
 
Unterm Sofa, ganz im Dunkeln,
wachsam grüne Augen funkeln.
Merlin fühlt sich angestarrt:
„Das ist nicht die feine Art!“,
brummt er. „Glotzt gefälligst nicht
mir so grundlos ins Gesicht.
Das ist eine Friedensstörung
und bedeutet Kriegserklärung.
Also hört schon damit auf!
Ich leg keinen Wert darauf!“
„Blödsinn!“, faucht es im Duett.
„Wer dich anstarrt, der ist nett,
offen und vor allem ehrlich,
aber keineswegs gefährlich.
Drum sprich nie von ,falschen Katzen‘,
denn sonst müssten wir dich kratzen!“
 
Merlin nimmt das Missverständnis
voller Sachlichkeit zur Kenntnis.
Zwar begreift er’s nicht so ganz,
wedelt aber mit dem Schwanz,
um den aufgebrachten Tieren
Freundlichkeit zu suggerieren.
Kaum lässt er die Rute kreisen,
beide Katzen prompt vereisen.
Hat der Köter eine Macke?
Schwanzgepeitsche heißt Attacke!
Dieser Hund braucht Politur.
Und sie sträuben die Frisur.
„Mist!“, denkt Merlin angesichts
dieses Feedbacks. „Wieder nichts!
Wieder hab ich mich blamiert.
Gott, ist Kätzisch kompliziert!“
Und bringt sich in Sicherheit
vor der Katzen Grantigkeit.
Guter Rat, so scheint’s, ist teuer.
Die felinen Ungeheuer
lecken mittlerweile zierlich,
reputierlich und manierlich
ihr toupiertes Outfit glatt.
Merlin ist noch immer platt
und blickt ganz bekümmert drein.
Frauchen wird nicht glücklich sein!
Doch dann reißt er sich zusammen:
„Diesmal zeig ich’s den Madamen!
Friedenspfeife wollt ich rauchen
und geerntet hab ich Fauchen.
Aber jetzt bin ich am Drücker
und bezirz die beiden Stücker!“
Und schon senkt er graduell
sein gelocktes Fahrgestell,
stemmt jedoch dabei zum Zwecke
der Balance den Po zur Decke
und schiebt dann die Vordertatzen
samt der Schnauze Richtung Katzen.
„Wenn ich jetzt in Augenhöhe“,
denkt er, „unters Sofa spähe,
bin ich denen gegenüber
nicht mehr so ein Großkaliber.

Und dann kann ich angstfrei wagen,
ihnen nett ,Hallo!‘ zu sagen.“
Doch dann tut er, was verboten:
Er hebt eine seiner Pfoten,
will noch sagen „Pax vobiscum“,
aber die Idee, die ist dumm,
denn bevor er „Friede“ spricht,
hat er Krallen im Gesicht.
 
Jaulend fährt der Hund zurück,
Tränen trüben seinen Blick
und dann weint er ungehemmt.
Solche Schmerzen sind ihm fremd.
Wird die Pfote angehoben,
will er doch nur spielen, toben
oder nett gestreichelt sein.
Und schon tönt es hundsgemein:
„Schau, jetzt heult der Katzenhasser
wie ein Welpe Rotz und Wasser.
Hör gut zu, du Kirchenlicht:
Eine Pfote hebt man nicht.
Denn wenn wir die Pfoten heben,
heißt das: Jetzt wird’s Saures geben!“
Wieder war sein Tun verkehrt.
Merlin ist jetzt sehr verstört
und denkt an Beendigung
dieser Art Verständigung.
Körpersprache – gut und schön.
Doch man muss sie auch versteh’n.
Und er schleicht an seinen Platz.
All sein Müh’n war für die Katz!
 
Merlins Frauchen gleich erkennt:
Nichts ist mit dem Happy End.
Bös zerkratzt, die Nase wund,
sitzt vor ihr der brave Hund
und erklärt dem Frauchen kläglich,
ein Kontakt sei rein unmöglich.
„Mangels Sprachenkompetenz
hapert’s mit der Eloquenz.
Jemand müsst mich unterweisen,
wie das ist in Katzenkreisen.“
Sie versorgt des Hundes Schnauze,
tätschelt Merlin sanft die Plauze
und ruft dann in strengem Ton
die zwei Katzen zur Räson.
Höhnische Miau-Kaskaden
unterm Sofa sich entladen.
Süffisant ertönt’s: „Na und?
Gibt’s zum Petzen einen Grund?
Nun, dann flenn nicht, blöder Köter!
Kompetenzen klär’n wir später!“
Uff! Das klingt nicht eben gut.
Merlin sinkt der letzte Mut.
Und gewärtig weit’rer Schrammen
rollt er sich verstört zusammen.
 
Doch was ist das? Anstatt stiller
wird das Maunzen plötzlich schriller
und mutiert zum Angstgezeter.
Die felinen Leisetreter
haben, wie es scheint, extreme
unerwartete Probleme.
Merlin ahnt was und gibt Laut.
Unterm Sofa liegt verstaut
Netzgewebe, grob geknüpft,
und er weiß: Wer drüberschlüpft,
der bleibt kläglich in den engen
Maschen des Objektes hängen.
 
Dass die Katze, die verheddert,
wild den Sofastoff jetzt schreddert,
kann man ihr nicht übel nehmen.
Panik lässt sich nicht bezähmen.
Sie wühlt wild, sich zu befreien,
in den Sofainnereien.
Doch das ist bei Gott nicht klug,
weil er weitergeht, der Spuk.
Springt doch nun auch noch, oh Graus!,
eine Sofafeder raus.
Und das macht sie rein verrückt,
denn nun ist der Schwanz geknickt.
Dementsprechend das Konzert!
Auch die Freundin schrecklich plärrt
und büxt aus in Richtung Schrank.
 
Merlin überlegt nicht lang,
robbt gewandt, doch auf die Schnelle,
bäuchlings hin zur Unglücksstelle,
reißt die Feder mit viel Schwung
raus aus der Verankerung
und dann schleppt der Hund, der treue,
Netz samt Katzentier ins Freie.
Schon hat er das Netz zerbissen,
aufgedröselt und zerschlissen.
Als es schließlich dann so weit ist
und das arme Tier befreit ist,
leckt der brave Hund noch fein
die verstörte Katze rein.
 
Das beendet jeden Streit.
Plötzlich ist man auch bereit,
fremden Brauch zu respektieren,
statt sich wütend aufzuführen.
Und weil das, wie Merlin spürt,
Sprachenkenntnis impliziert,
lernt der Hund aus freien Stücken,
sich miauend auszudrücken.
Sein verbaler Seitensprung,
der erregt Bewunderung.
Gleich sind Merlins Wohngenossen
auch zum Studium entschlossen.
Als jedoch die Plüschgesellen
routiniert und fließend bellen,
und das nächtens auf dem Dach,
macht der Nachbar ziemlich Krach,
was die zwei vom Dachfirst scheucht.
Dennoch ist das Ziel erreicht:
Frauchens Trio, das fidele,
ist ein Herz und eine Seele.
© Hannelore Nics

 

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“Leseproben” oder
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