Konfrontation vorprogrammiert?
Wenn Jäger auf Hundehalter treffen

Das Verhältnis zwischen Jägern und privaten Hundehaltern ist  bekanntermaßen nicht das Beste. Dafür gibt jede Seite der jeweils anderen die Schuld. Tatsächlich aber tragen – wie so oft – beide Parteien ihren Teil zu dem angespannten Verhältnis bei.

  • Da sind zunächst die Jäger. Heger und Pfleger von Wald und Wild, wie sie sich selbst sehen. Tiermörder, im Verhalten überheblich und selbstherrlich, wie manche Hundehalter meinen.
  • Dann die Hundebesitzer. Die ihre Hunde ja lieben und daher immer nur das Beste für sie wollen. Also auch Freilauf und artgerechte Bewegung – immer und überall.
    Rücksichtslos, ohne Gewissen und ohne jedes Mitgefühl für andere Kreaturen, so die Sicht der Jäger.

Im Laufe der Jahre erlebt man als „Leinenhalterin“ selbst genügend Beispiele für beide Standpunkte.

  • Den Jäger, der behauptet, die Hunde hätten auf einem 500 m entfernten Feld gerade Rehe gejagt, obwohl man aus der entgegen gesetzten Richtung kommt und beide Hunde angeleint sind. Wie übrigens wirklich immer in Feld und Flur, da es sich um Nordische handelt, die als solche mit einem extremen Jagdtrieb gesegnet sind. „Die haben Sie gerade erst wieder angeleint“ behauptet er mal eben so ins Blaue. Denn wirklich gesehen hat er die Hunde nicht, wie er auch ganz offen zugibt.
  • Dann zwei Grünberockte bei anderer Gelegenheit. Die in der Dämmerung plötzlich mit ihrem unbeleuchteten Geländewagen herangerast kommen (woher bloß?) und einen durch das Seitenfenster anraunzen, die Hunde gefälligst sofort anzuleinen. Auf den verschüchterten Hinweis auf die Leine, an der sich beide doch befinden, nur der Kommentar: „Da waren die gerade noch nicht dran“. Und damit fahren sie von dannen. Bleibt nur zu hoffen, dass sie irgendwann noch die Scheinwerfer ihres Autos einschalten – bei der geringen Sehkraft.
  • Da ist auch noch der Waidmann, der einen auf dem Hundespaziergang mit seinem Auto verfolgt, im Schritttempo. Wenn man stehenbleibt, stoppt auch er. Geht man weiter, fährt er wieder an. Wenn man sich zu ihm umdreht, schweifen seine Blicke finster zwischen einem selbst und den Hunden hin und her. Und erst als man an die Seitentür tritt und ihn fragt, ob man sich Sorgen um ihn machen müsse aufgrund seines Verhaltens, gibt er Gas und fährt davon.

Wenn man aufgrund solcher Erlebnisse dann genügend Vorurteile gesammelt hat, um die Zunft der „Men in Green“ pauschal zu verdammen, kommt plötzlich jemand und lässt einen die Meinung revidieren. 

Zwei Huskies auf einem Holzstapel
Zwei Huskies auf einem gesicherten Holzstapel.

Ein Jäger – nett, freundlich und aufgeschlossen. Der nichts gegen Privatpersonen mit Hunden in seinem Revier hat. Der auch keinen Einwand dagegen hat, wenn sie dort ohne Leine laufen. Allerdings nur, wenn sie hundertprozentig abrufbar sind. Der aber darauf besteht (und dabei an die Vernunft der Hundehalter appelliert), während der Brut- und Setzzeit sämtliche Hunde anzuleinen. Und das auch verständlich begründet. Mit der Schilderung, in welch furchtbarem Zustand er gewilderte Tiere gefunden hat – tot oder noch lebend. Und dem Hinweis darauf, dass zum Beispiel bei einer gewilderten Ricke auch das ungeborene Kitz getötet wird. Der auch erklärt, dass das oben geschilderte Verhalten einiger seiner Kollegen in der Jägerschaft gar nicht gern gesehen wird. Und der sich letztendlich für ein vernünftiges Miteinander von Jägern und Hundehaltern ausspricht.

Doch mit der Vernunft ist das manchmal so eine Sache. Es gibt nicht wenige Hundehalter, die oben genannte Argumente einfach in den Wind schlagen. Zwei noch vor kurzem gehörte Aussagen: „Wir wohnen in der Stadt. Und wenn wir schon auf’s Land fahren, soll unser Hund laufen können. Da sind mir Wildtiere und Jäger piepegal.“ Ein weiterer Hundehalter: „Tiere im Wald sind immer in Gefahr. Wenn mein Hund sie nicht jagt, tut das der Fuchs. So kann mein Hund wenigstens mal sein Naturell ausleben.“

Wie soll da jemals eine Übereinstimmung zwischen den Parteien gefunden werden?

Es geht auch anders

Doch es geht auch anders. In Gevelsberg in Nordrhein-Westfalen bekommen Hundehalter von den Jägern statt einer barschen Ansage eine Alternative geboten. Denn frei laufende Hunde im Wald sind auch hier nicht gern gesehen.
Die Stadt Gevelsberg ist Eigentümerin einer ein Hektar großen Fläche am Gut Rocholz. Eigentlich war das Gelände für den Bau eines Firmengebäudes vorgesehen. Als daraus jedoch nichts wurde, kam beim Hegering Gevelsberg die Idee auf, diese Fläche als Auslauf für die Gevelsberger Hunde zu nutzen.

Hundewiese
Hundewiese in Witten

Bei der Stadt fand der Plan große Zustimmung, und so säte sie diese Fläche mit Gras ein. Die Gevelsberger Jäger übernahmen die Patenschaft für die Hundewiese und pflanzten im Jahr 2006 ein dreireihiges Vogelschutzgehölz aus heimischen Gehölzen als Abschirmung und als natürlichen Zaun parallel zum Wanderweg. So gibt es auch keine Probleme zwischen dortigen Radfahrern und den über die Wiese tobenden Hunden. Einige Jahre später kam noch ein fünf Meter breiter und etwa 100 Meter langer Blühstreifen mit Insektennährpflanzen hinzu.

Es geht also – man muss nur wollen. Und zwar auf beiden Seiten.

© Christa Burow

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