Ausgesprochen erholsam war er nicht
Ein Sonntag im Leben eines Hundehalters

Ein Sonntag im Leben eines Hundehalters. Da hat sicher so manches Frauchen und Herrchen auch seine ganz speziellen Erfahrungen gemacht. Und kann sich deshalb gut in die eine oder andere der amüsant geschilderten Szenen hineindenken.

Es ist Sonntag und ich muss einfach schreiben, wie der Tag bisher war:

ER ist mein Hund, ER heißt Jimmy, ER ist ein Mischling, ER ist seeehr groß und sehr braun und ER schafft mich langsam…

hh:mm:ss
05:30:00 Wecker piepiep
05:30:10 Scheisse, gestern angelassen, hoffentlich hat ER nichts gehört.
05:30:11 Wecker aus
05:30:50 Schlafzimmertür geht auf.
05:31:00 ER kommt, schnell schlafend stellen.
05:32:00 ER sitzt vor meinem Bett, ich weiß es.
05:32:20 Wenn ich die Augen aufmache hat er mich.
05:40:00 Ich kann seinen Atem hören, er ist noch da.
05:42:44 Stille…
05:45:00 Vorsichtig ein Auge auf


05:45:01 SEINE große feuchte Zunge sabbert über mein Gesicht
05:52:00 Mit IHM Gassi gehen, es regnet
05:54:25 ER aalt sich in einer Schlammpfütze
05:59:38 ER schüttelt sich neben mir
06:00:00 Ich bin vollständig dreckig
06:00:30 Ich schimpfe
06:01:00 ER tröstet mich auf seine Weise, springt mich an und leckt mein Gesicht
06:20:00 IHM Futter gegeben, wieder ins Bett
06:22:00 Futternapf leer, ER schiebt ihn durch den Flur
06:30:00 Schlafzimmertür geht auf…

15:12:00 Ganze Familie zum Kaffeetrinken ist da, ER ist nervös
15:14:00 ER springt Oma Hanna an
15:18:00 ER springt Tante Gertrud an
15:19:58 ER springt Tante Heidrun an
15:20:00 Tante Heidrun fällt
15:21:00 Tante Heidrun beschimpf IHN als Monster und fährt ab
15:21:30 ER kriegt einen Knochen zur Belohnung


15:30:00 Knochen vollständig vernichtet
15:34:00 ER hat deutlich gemacht, daß er raus will (Leine zerfetzt)
15:35:00 Seil gesucht, Gassi gehen
15:40:21 Wald, kein Mensch in Sicht
15:40:25 Ich wage es, Leinen los
16:02:30 IHN wiedergefunden, ist bei einer weißen Hündin
16:05:00 ER begattet die Hündin, beide Hunde glücklich
16:05:01 SIE ist ein reinrassiger (Dingsbums) und hat 2000 €  gekostet
16:05:02 Versuch Hunde zu trennen scheitert
16:10:00 Adressen mit anderem Hundehalter getauscht
16:10:10 Bereit erklärt alle Welpen aufzunehmen
16:25:00 Freilaufenden Dackel überrannt…
16:25:30 siehe 16:10:00
16:30:00 Schäferhund getroffen, hübsches Tier
16:30:45 Hund spielen, niedlich
16:32:00 Riesenschnauzer kommt des Weges
16:32:40 Hunde spielen, niedlich
16:35:00 Spaniel kommt des Weges, niedlich
16:36:00 Große Hunde spielen und benutzen den Spaniel als Ball
16:37:00 Adressen ausgetauscht

16:50:00 Vom Gassigehen zurück, ER steht vor Dreck
16:50:10 ER läuft ins Wohnzimmer, neeeiiiinnn
16:50:11 ER schüttelt sich
16:50:12 Ein Matschbrocken landet auf Tante Gertrudes Teller
16:50:13 Weitere Matschbrocken landen auf Tante Gertrude
16:51:00 Tante Gertrude beschimpft IHN als Monster und fährt ab
16:52:00 Er kriegt einen Knochen als Belohnung
17:00:00 Knochen vollständig vernichtet
17:00:01 Erinnerung: Der Schlachter sagte, da hat ihr Kleiner ‘ne ganze Woche was von…

18:10:00 ER fühlt sich vernachlässigt, bringt mir seinen Gummiring zum spielen…
18:10:30 ER sitzt vor mir und sieht mich an
18:15:00 ER sitzt vor mir und sieht mich an.
18:20:00 ER sitzt.. Ich blicke auf und sehe ihn an.
18:20:01 ER springt auf die Couch und leckt mein Gesicht.
18:22:00 Wir balgen auf dem Fußboden.
18:22:05 Sweatshirt zerrissen
18:22:10 Ich sehe IHN anklagend an und schimpfe
18:22:11 ER freut sich, sein wedelnder Schwanz kippt eine volle Vase
18:22:12 KLIRR, Vase kaputt

18:22:20 Ich drohe mit der zusammengerollten Zeitung
18:22:21 ER freut sich
18:22:30 Ich haue zu
18:22:31 ER fängt die Zeitung ab und zerfetzt sie
18:22:32 Die Zeitung war von heute, noch nicht gelesen
18:30:00 Modem piept
18:30:02 ER steht vor dem Computer und bellt das Modem an
18:30:05 Connect 28.8, receiving WICHTIG.DAT 3.2MB
18:32:00 Ich stelle das Putzzeug weg und eile zum Computer
18:32:01 ER bellt nicht mehr
18:32:02 tiefes, kehliges Knurren, ich noch 12Meter weit weg…
18:32:03 ER greift an, serielle Datenleitung zum Modem
18:32:04 NO CARRIER

 

Verfasser unbekannt

  • Zwei gescheiterte Existenzen treffen sich. Mann mit Hund.

    Eine bekannte Redewendung lautet: Viele Wege führen nach Rom. Als Abwandlung könnte man auch sagen: …oder zum Hund. Für ein Kind ist es fast immer der Wunsch, unbedingt einen Hund zu wollen, der es ans Ziel führt. So die Eltern (und die Gegebenheiten) denn mitspielen. Bei Erwachsenen hingegen sieht es oft anders aus. Zufall, Schicksal, Fügung – wer kann das schon so genau sagen?   Zwei gescheiterte Existenzen treffen sich … … im Treppenhaus des zweiten Stocks eines Hauses in der Schnellstraße in Hamburg-Altona. Du warst knapp zwölf Wochen alt, aber konntest schon sehr laut wimmern und jammern. Niemand in diesem Haus wollte dich aufnehmen. In jeder Wohnung eine Katze … Und ich? Wollte eigentlich keinen Hund mehr. Zwei Stunden später kam ich vom fünften Stock die Treppe hinunter und du kamst mir im dritten Stock freundlich wedelnd und winselnd entgegen. Ich hockte mich zu dir hin, streichelte dich, sprach leise mit dir und spürte deine Zunge in meinem Gesicht. Deine braunen Augen, so leuchtend und lebendig, aber auch so traurig. Ich konnte dir nicht widerstehen. Mit einem gespendeten roten Bindfaden als Hundeleine zogen wir beide los zum S-Bahnhof Holstenstraße. Zwei gescheiterte Existenzen. Deine Menschen hatten dich offenbar zu Beginn der Frühjahrsferien im März 1977 rausgeschmissen, wohl, weil du nicht mit den kleinen Kindern zurechtkamst oder sie nicht mit dir. Und ich? War gerade drei Wochen vorher, am 10. Februar 1977, aus dem Schuldienst geflogen und hatte jetzt viel Zeit. Auf dem Weg in eine gemeinsame Zukunft? Beim Umsteigen im Hauptbahnhof Anruf bei Angelika, um deine Ankunft anzukündigen. „Hast du was dagegen?“ „Nein, bring ihn mit, den kleinen Hund.“ Einen Tag lang solltest du nur bleiben, dann ab ins Tierheim in die Süderstraße. So redete ich es mir ein. Doch es kam anders. Weissenhof lla in Hamburg-Farmsen – das sollte deine zweite Heimat werden, kleiner Blacky. Als wir ankamen, hattest du riesigen Durst und Hunger. Zwei große Schüsseln Wasser wurden von dir ausgeschlabbert. Und dann verdrücktest du ein Leberwurstbrot nach dem anderen! Anschließend hautest du dich in eine Ecke, rolltest dich zusammen und schliefst bis zum Morgen durch. Vom Tierheim Süderstraße redete niemand mehr, eine neue Leine wurde gekauft – und Spielzeug. Zunächst noch zögernd und etwas unsicher konnte auch Angelika deinem Charme nicht widerstehen. © Volker Diel erschienen im Mariposa-Verlag (Bücher für tierliebe Menschen)  

Cartoons von Olaf NeumannFutter - Cartoon von Olaf Neumann
Dick - Cartoon von Olaf Neumann
Zwei Hunde stemmen sich gehen das Rausgehen bei Regen
Hunde liegen bei ihren Menschen im Bett
Cartoon Schoßhund